„Bei uns sitzen sie (fast) in der ersten Reihe“
 |  Fußball-Junioren
Erstellt von Doris Waldorf

12 244 Zuschauer sehen klaren Sieg über Polen in Köln - Reihe 5, 6 und 7 fest in Gerolsteiner Handballerhand.

Die Handballer vom SV Gerolstein, um Abteilungsleiter Erik Böffgen und SV-Trainer Jarek Glinka (ehemaliger polnischer Nationalspieler!), trotzten am 08.12.10 den Wetterwidrigkeiten und waren zwei Stunden später mitten drin, im Geschehen an vorderster Front, in der LANXESS Arena in Köln. Präsentiert wurde auf dem Spielfeld ein Leckerbissen der besonderen Art: Die Neuauflage des WM-Finales von 2007! Damals wurden die Männer um Heiner Brand sensationell Weltmeister gegen Polen, den späteren WM-Dritten! 52 Gerolsteiner schwarz-rot-goldgeschmückte Fans jubelten und feuerten frenetisch ihre Vorbilder an und honorierten auch gute Szenen auf polnischer Seite mit viel Applaus. Krönung mittendrin: Eines der begehrten fünf, mit einer Kanone abgefeuerten Toyota-Bundesliga-T-Shirts, die zur Teilnahme am Halbzeitwettbewerb berechtigten, landete sehr zur Begeisterung in Reihe 6 Platz 8.... in den Händen von Valerie Schauster! „Jesko, geh runter und gewinne für uns die VIP-Karten“. Die Regeln einfach, einen Platz ergattern in geöffneten Toyotaautotüren entsprechend dem bekannten Spiel –Eine Reise nach Jerusalem-. „Mist, als die Musik ausging, stand ich in der zweiten Runde genau vor der Motorhaube“, so Jesko Waldorf nach dem Wettspiel aber keineswegs enttäuscht, eher stolz. Schließlich durfte er hautnah dabei sein, als die deutschen Nationalspieler das Feld in die Halbzeitpause verließen. „Die haben mich alle abgeklatscht!“     

 

Im letzten Länderspiel 2010 schaffte die deutsche Nationalmannschaft einen überraschend hohen 28:22 (13:13)-Sieg. Diesen Erfolg vor 12 244 Zuschauern verdankte das Team von Heiner Brand vor allem ihrer eindrucksvollen Steigerung in der Abwehr nach der Pause. Ein gehöriges Maß fällt auch auf die Paraden von Torhüter Carsten Lichtlein und die Spielfreude des torgefährlichen Adrian Pfahl. „Das deutsche Team war heute klar besser als wir. Für mich stellen die Erkenntnisse aus diesem Spiel einen wichtigen Schritt in der Vorbereitung auf die WM dar“, sagte Polens Nationaltrainer Bogdan Wenta. Sein Widerpart Heiner Brand, unter dem Wenta bis 2000 auch 50 Länderspiele für Deutschland absolvierte, meinte: „Durch die Steigerung in der zweiten Halbzeit haben wir uns diesen Sieg verdient. Wir haben einige gute Ansätze gezeigt, aber auch viele Fehler gemacht.“

 

Die Entscheidung in dieser Neuauflage des WM-Finales von 2007 fiel kurz vor und kurz nach der Pause. Nach 25 Minuten sah Polens agiler Linkshänder Zaremba nach einem Stoß gegen den für Glandorf nachnominierten Steffen Weinhold die Rote Karte. Kurz darauf knickte Polens Bester, Bartlomiej Jaszka, in einem Zweikampf mit Dominik Klein mit dem linken Fuß um und konnte fortan nicht mehr eingesetzt werden. „Zum Glück scheint die Verletzung nicht allzu schwerwiegend zu sein“, erklärte Bogdan Wenta später. Zu Beginn des zweiten Durchgangs glänzte der eingewechselte Carsten Lichtlein mit sieben Paraden, darunter ein gehaltener Siebenmeter, in nur acht Minuten. Das deutsche Team setzte sich erstmals etwas ab, führte zwischenzeitlich beim 22:17 gar mit fünf Toren, musste dann aber den WM-Dritten noch einmal auf 23:21 herankommen lassen, um am Ende doch noch einen deutlichen Sieg herauszuwerfen.

 

Im ersten Drittel des Spiels fehlte es der löchrigen deutschen Abwehr an Abstimmung und Beweglichkeit. Heiner Brand nahm früh eine Auszeit, wechselte des Öfteren von der angestammten 6:0-Formation in eine offensivere 3:2:1-Variante, aber erst im zweiten Durchgang festigte sich das Spiel in der Abwehr. Nur 10 Gegentore ließ das deutsche Team in den zweiten 30 Minuten zu und legte damit den Grundstein für den Erfolg. „Anfangs zeigte die Defensive arge Probleme, war zwar kämpferisch auf der Höhe, konnte aber nicht als Einheit überzeugen“, erkannte DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier. „Vorne lief der Ball recht flüssig, aber leider sind wir oft zu großzügig mit unseren Chancen umgegangen.“